Zurück 18.06.2026

Was ist elektrischer Strom?

Strom. Er ist überall: in der Steckdose, im Smartphone, im Elektroauto. Ohne ihn läuft buchstäblich nichts. Aber was ist Strom eigentlich und wie funktioniert er?

Alles beginnt mit dem Atom

W_C_SocialMedia_Grafiken_AtomMaterie besteht aus Atomen. Jedes Atom hat einen Kern – und um diesen Kern kreisen winzige Teilchen: die Elektronen. Elektronen sind negativ geladen, der Atomkern ist positiv geladen. Diese entgegengesetzten Ladungen halten das Atom zusammen.

In manchen Materialien – vor allem in Metallen wie Kupfer oder Aluminium – sind die äussersten Elektronen nur schwach gebunden. Sie können sich verhältnismässig frei durch das Material bewegen. Man nennt sie deshalb «freie Elektronen».

Strom ist Bewegung

W_C_SocialMedia_Grafiken_StromflussElektrischer Strom entsteht, wenn sich diese freien Elektronen gerichtet durch einen Leiter bewegen – also nicht zufällig in alle Richtungen, sondern alle zusammen in eine bestimmte Richtung.

Damit das passiert, braucht es einen Antrieb: eine elektrische Spannung. Die Spannung ist der «Druck», der die Elektronen in Bewegung versetzt. Eine Batterie erzeugt diese Spannung, indem sie an ihrem Pluspol Elektronen aufnimmt und am Minuspol abgibt. Verbindet man beide Pole mit einem Leiter, beginnen die Elektronen zu fliessen – es fliesst Strom.

Leiter und Nichtleiter – warum fliesst Strom nicht überall?

Strom fliesst nicht durch jedes Material gleich gut. Das liegt daran, dass nicht alle Stoffe freie Elektronen haben.

  • Leiter – Materialien mit freien Elektronen, durch die Strom leicht fliesst: Kupfer, Aluminium, Silber, Gold. Kupfer ist der Standard für Haushaltskabel – es leitet gut, ist formbar und günstig.

  • Nichtleiter (Isolatoren) – Materialien ohne freie Elektronen, durch die kaum Strom fliesst: Kunststoff, Gummi, Holz, Glas, Luft. Deshalb sind Kabel mit Kunststoff ummantelt: Das Kupfer leitet, der Kunststoff schützt.

  • Halbleiter – eine Sonderklasse, die je nach Bedingungen mal leitet, mal nicht. Silizium ist das bekannteste Beispiel – es ist die Basis für Chips, Transistoren und Solarzellen.

Diese Unterschiede sind die Grundlage dafür, dass wir Strom überhaupt kontrollieren können.

Was passiert, wenn kein Widerstand da ist? Der Kurzschluss

Jeder Leiter hat einen gewissen Widerstand – er bremst den Stromfluss minimal. Was passiert aber, wenn dieser Widerstand plötzlich wegfällt, weil zwei Leiter direkt in Kontakt kommen? Der Strom sucht sich dann den Weg des geringsten Widerstands und fliesst mit enormer Stärke. Das nennt man einen Kurzschluss. Die dabei entstehende Wärme kann in Sekundenbruchteilen Kabel schmelzen oder Brände auslösen. Deshalb gibt es Sicherungen: Sie unterbrechen den Stromkreis, sobald die Stromstärke einen kritischen Wert überschreitet.

Warum leuchtet die Lampe sofort?

Das mag überraschend klingen: Elektronen bewegen sich im Leiter relativ langsam – nur wenige Millimeter pro Sekunde. Und trotzdem leuchtet eine Lampe sofort auf, wenn man den Schalter betätigt.

Der Grund: Im Leiter sind bereits Millionen von Elektronen vorhanden. Wenn die Spannung angelegt wird, schubst jedes Elektron das nächste – wie eine lange Reihe Dominosteine. Die Bewegungsinformation pflanzt sich dabei nahezu mit Lichtgeschwindigkeit fort, auch wenn die einzelnen Elektronen kaum vorankommen.W_C_SocialMedia_Grafiken_Bewegung

Was bedeutet das im Alltag?

Elektrischer Strom ist die Grundlage für nahezu alles, was wir täglich nutzen: Licht, Wärme, Kommunikation, Mobilität. Das Prinzip dahinter – bewegte Elektronen in einem Leiter – ist in jedem Kabel, jeder Steckdose und jedem Gerät.

Zur Einordnung: In einem normalen Haushaltskabel fliessen bei 230 Volt und einem typischen Gerät rund 1–2 Ampere. Das klingt wenig – aber diese unsichtbare Bewegung von Elektronen reicht aus, um eine Lampe zu betreiben, einen Laptop zu laden oder einen Backofen zu heizen. Mehr zur Stromstärke und deren Einheit Ampere wird Thema sein in der nächsten Woche. 

In wenigen Tagen geht es weiter: Gleichstrom und Wechselstrom – was ist der Unterschied, und warum kommt aus der Steckdose eine andere Art Strom als aus der Batterie?

Dieser Artikel ist Teil unserer Serie «Energie einfach erklärt».

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