Zurück 11.08.2026

Der Stromzähler – wie wird Strom gemessen?

Der Stromzähler hängt im Keller, dreht sich still oder zeigt Ziffern auf einem kleinen Display. Die meisten Menschen schauen ihn einmal im Jahr an, wenn sie den Zählerstand melden. Dabei steckt hinter diesem unscheinbaren Gerät die gesamte Grundlage der Stromabrechnung – und er steht gerade im Mittelpunkt einer technischen Veränderung, die für alle Haushaltskunden relevant wird. 

Was misst der Zähler eigentlich?

Energiezähler SodecoDer Stromzähler misst die verbrauchte elektrische Energie in Kilowattstunden (kWh). Er zählt fortlaufend auf, wie ein Kilometerzähler im Auto, der nie zurückgestellt wird. Am Ende einer Abrechnungsperiode wird die Differenz zwischen dem aktuellen und dem letzten abgelesenen Zählerstand ermittelt. Diese Differenz ergibt den Verbrauch – und damit die Berechnungsgrundlage für die Rechnung.

Kilowattstunden als Masseinheit haben wir in Woche 3 bereits besprochen: Eine Kilowattstunde entspricht der Energie, die ein Gerät mit einer Leistung von einem Kilowatt in einer Stunde verbraucht. Ein Wasserkocher mit 2'000 Watt (2 kW) verbraucht in einer halben Stunde 1 kWh. Die kWh ist also kein abstraktes Konstrukt, sondern eine direkt erfahrbare Grösse.

Der mechanische Zähler: bewährt, aber begrenzt

Wer einen älteren Stromzähler hat, erkennt ihn an der kleinen Scheibe, die sich hinter dem Glas langsam dreht. Dieses Gerät funktioniert elektromechanisch. Durch den fliessenden Strom entsteht im Zähler ein Magnetfeld, das eine Aluminiumscheibe in Rotation versetzt. Fliesst mehr Strom, dreht sich die Scheibe schneller. Bei wenig Verbrauch dreht sie sich langsam. Die Umdrehungen werden mechanisch auf ein Rollenzählwerk übertragen, das die verbrauchten Kilowattstunden anzeigt.

Dieses Prinzip ist technisch simpel und ausgesprochen zuverlässig. Mechanische Zähler halten Jahrzehnte und brauchen keine externe Energieversorgung für die Messung selbst. Der Nachteil liegt in ihrer Grobheit: Sie liefern einen einzigen kumulierten Gesamtwert. Wann genau wie viel Strom verbraucht wurde, ist aus dem Zählerstand nicht ersichtlich.

Der digitale Zähler: gleiche Aufgabe, mehr Informationen

Moderne digitale Zähler messen dasselbe wie ihr mechanisches Pendant, nämlich Kilowattstunden, tun dies aber mit elektronischen Mitteln. Ein digitaler Sensor erfasst den Stromfluss und berechnet daraus laufend den Energieverbrauch. Das Ergebnis erscheint auf einem Display, teils als Ziffernfolge, teils als mehrzeilige Anzeige mit verschiedenen Werten.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Detailtiefe. Digitale Zähler können den Verbrauch in Zeitabschnitte aufteilen und diese Daten intern speichern. Damit lässt sich nicht nur der Gesamtverbrauch eines Jahres ablesen, sondern auch, wie viel Strom an einem bestimmten Tag, in einer bestimmten Stunde oder in einem Viertelstundenintervall geflossen ist. Für Haushalte mit Solaranlage erfassen sie ausserdem die ins Netz eingespeiste Energie separat.

26_SmartmeterSmart Meter: wenn der Zähler kommuniziert

Ein Smart Meter ist ein digitaler Zähler mit einer entscheidenden Zusatzfunktion: Er überträgt die gemessenen Daten automatisch an den Netzbetreiber. Kein Mitarbeiter muss mehr vor Ort kommen, um den Stand abzulesen. Die Übertragung erfolgt über ein Kommunikationsmodul, in der Regel über das Mobilfunknetz oder ein dediziertes Netzwerk für Messgeräte.

Die Daten werden typischerweise im Viertelstundentakt erhoben und übertragen. Das bedeutet: 96 Messwerte pro Tag, rund 35'000 pro Jahr. Jeder dieser Werte beschreibt, wie viel Energie in diesem Zeitfenster verbraucht wurde.

Für den Netzbetreiber ist das ein erheblicher Informationsgewinn. Bisher war die Netzplanung stark auf Schätzwerte angewiesen: Wie viel Strom wird in einem Quartier morgens zwischen 7 und 8 Uhr verbraucht?  Wie hoch ist die Spitzenlast an einem Wintertag oder die Rückspeisung an einem sonnigen Frühsommertag?

Mit Smart Meters lassen sich diese Fragen mit echten Messdaten beantworten, Überlastungen frühzeitig erkennen und Netzeinsätze gezielter planen.

Was der Viertelstundentakt sichtbar macht

Ein Beispiel: Ein Haushalt startet morgens um 7 Uhr gleichzeitig Kaffeemaschine, Backofen und Haartrockner. In diesem Viertelstundenintervall fliesst eine hohe Leistung ins Haus. Über den Tag gemittelt fällt diese Spitze im Gesamtverbrauch kaum auf. Im Viertelstundenprofil aber ist sie deutlich sichtbar als kurzer, steiler Ausschlag.

Genau diese Informationen sind die Grundlage für leistungsbasierte Tarifmodelle. Ein Tarif, der nicht nur die Gesamtmenge des verbrauchten Stroms, sondern auch die maximal bezogene Leistung berücksichtigt, braucht diese zeitlich hochaufgelösten Messwerte. Ohne Smart Meter ist ein solches Modell für Privathaushalte technisch nicht umsetzbar.

Der Rollout der Smart Meters läuft seit einigen Jahren. Wer noch keinen hat, wird in absehbarer Zeit einen erhalten.

Nächste Woche erklären wir, was der Zählerstand für die Stromrechnung bedeutet – und welche Positionen auf einer Rechnung überhaupt stehen.

Dieser Artikel ist Teil unserer Serie «Energie einfach erklärt».

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