Zurück 09.07.2026

Erneuerbare Energien – und was sie fürs Stromnetz bedeuten

Solar, Wind, Wasser, Geothermie – erneuerbare Energien sind die Zukunft der Stromversorgung. Mit der zunehmenden dezentralen Produktion stellen sich neue Anforderungen an die Netze.

Erneuerbaren Quellen

Wasserkraft

In der Schweiz ist Wasserkraft mit rund 56 Prozent des Stroms die mit Abstand wichtigste Energiequelle (Zahl gilt für das Jahr 2025. 2024 waren es sogar 60 Prozent). Laufwasserkraftwerke nutzen den kontinuierlichen Fluss von Flüssen; Speicherkraftwerke stauen Wasser in Bergseen und können es bei Bedarf gezielt ablassen. Was Wasserkraft von Solar und Wind unterscheidet: Sie ist steuerbar. Speicherkraftwerke können innerhalb von Sekunden auf veränderten Bedarf reagieren und sind damit ein wichtiger Stabilitätsfaktor im europäischen Verbundnetz.

Photovoltaik (Solar)

Solarzellen wandeln Sonnenlicht direkt in Gleichstrom um. Die Leistung hängt von der Sonneneinstrahlung ab und variiert je nach Tageszeit, Jahreszeit und Bewölkung stark. Im Sommer und am Mittag produzieren Solaranlagen bei guten Wetterbedingungen auf Hochtouren; nachts und im Winter fällt die Produktion weg oder ist drastisch reduziert. In der Schweiz wächst der Solaranteil am Strommix stark, vor allem durch den Ausbau auf Hausdächern und grossen Freiflächen.

Windkraft

In der Schweiz ist Windkraft noch wenig verbreitet, in den Nachbarländern Deutschland, Frankreich und Österreich dagegen ein bedeutender Faktor. Die Produktion schwankt je nach Windverhältnissen erheblich: Bei starkem Wind viel, bei Windstille gar nichts. Jedoch bietet Windkraft insbesondere im Winter eine gute Ergänzung zu Solarenergie, da sie auch in den dunklen und kalten Monaten produzieren kann, solange genug Wind vorhanden ist. 

Geothermie

Geothermie nutzt die Wärme aus dem Erdinnern. Ab etwa 3000 Metern Tiefe ist das Gestein so heiss, dass eingeleitetes Wasser erhitzt und als Dampf zurückgewonnen werden kann. Dieser Dampf treibt eine Turbine an und erzeugt Strom. Was Geothermie besonders interessant macht: Sie ist vollständig wetterunabhängig und produziert rund um die Uhr konstant. In Island, wo vulkanische Wärme nahe an der Oberfläche liegt, deckt Geothermie einen Grossteil des gesamten Energiebedarfs. In der Schweiz wird die Technologie aktiv entwickelt; das aktuelle Pilotprojekt zur Stromerzeugung aus Tiefengeothermie befindet sich im Kanton Jura.

 

Das Netz muss mithalten

Traditionelle Kraftwerke können ihre Produktion flexibel anpassen. Sie liefern genau so viel Strom, wie gerade gebraucht wird. Erneuerbare Energien folgen einem anderen Rhythmus: Sie produzieren, wenn die Natur es erlaubt. An einem sonnigen Sommertag fliesst mittags viel Solarstrom ins Netz, auch wenn gerade wenig Nachfrage besteht. Nachts oder im Winter fällt diese Produktion weg.

Das Stromnetz muss zu jedem Zeitpunkt im Gleichgewicht sein: Produktion und Verbrauch müssen übereinstimmen. Weichen sie ab, schwankt die Netzfrequenz.  Bei Abweichungen kann durch automatische Zu- oder Abschaltung von Kraftwerken und Speichern der Unterschied ausgeglichen werden.  EBLS-Wasserkraft-3_800px

Tägliche und saisonale Muster

Zwei Schwankungstypen sind für das Netz besonders relevant. Tägliche Schwankungen entstehen, weil der Stromverbrauch morgens und abends in die Höhe geht, Solaranlagen aber am meisten produzieren, wenn die Sonne am höchsten steht, also um die Mittagszeit. Das Angebot und die Nachfrage fallen zeitlich nicht zusammen.

Dazu kommen saisonale Schwankungen: Im Winter ist der Verbrauch höher, die Solarproduktion aber tief. Im Sommer ist es umgekehrt. Je mehr Solarstrom ins Netz eingespeist wird, desto ausgeprägter werden diese Muster.

Was bedeutet das für die Zukunft?

Die Antwort liegt in Flexibilität: intelligente Netze, Speichertechnologien wie Batterien und Pumpspeicher, dynamische Tarife und steuerbare Verbraucher. Wetterunabhängige Quellen wie Geothermie können das System zusätzlich stabilisieren.

In wenigen Tagen: Wie lässt sich Strom speichern – und welche Technologien spielen dabei eine Rolle?

Dieser Artikel ist Teil unserer Serie «Energie einfach erklärt».

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