Watt beschreibt, wie viel Energie ein Gerät pro Sekunde verbraucht. Aber auf der Stromrechnung steht keine Sekundenangabe, sondern Kilowattstunden. Was ist der Unterschied?
Zurück zum Autobeispiel: Tempo sagt, wie schnell man fährt. Die zurückgelegte Strecke hängt davon ab, wie lange man fährt. 100 km/h während einer Stunde ergibt 100 Kilometer.
Elektrische Energie funktioniert nach demselben Prinzip:
Energie (kWh) = Leistung (kW) × Zeit (Stunden)
Ein Gerät mit 1 Kilowatt Leistung, das eine Stunde läuft, verbraucht 1 Kilowattstunde (kWh). Läuft es zwei Stunden, sind es 2 kWh. Die Leistung bleibt gleich, die verbrauchte Energie wächst mit der Zeit.
Die Bandbreite zeigt sich an konkreten Geräten. Ein Backofen mit 2 kW, der eine Stunde läuft, verbraucht 2 kWh. Eine LED-Lampe mit 20 Watt braucht dagegen 100 Stunden, um dieselbe Energiemenge zu verbrauchen. Eine Wärmepumpe, die fünf Stunden läuft und dabei 2 kW zieht, kommt auf 10 kWh. Das zeigt, wie stark Leistung und Laufzeit zusammen den Verbrauch bestimmen: Ein leistungsstarkes Gerät, das kurz läuft, kann weniger verbrauchen als ein schwaches, das den ganzen Tag in Betrieb ist.
Was verbraucht ein Haushalt wirklich?
Ein durchschnittlicher Schweizer Haushalt verbraucht rund 3500 kWh pro Jahr. Aber nicht alle Geräte tragen gleich viel dazu bei. Warmwasserbereitung, Heizung und Kühlung sind in den meisten Haushalten die grössten Posten. Wer eine Wärmepumpe betreibt, kann allein dafür 1500 bis 4000 kWh pro Jahr aufwenden, je nach Gebäude und Klimazone. Ein Elektroauto, das täglich 30 Kilometer gefahren wird, braucht im Jahr rund 1500 bis 2000 kWh. LED-Beleuchtung und Unterhaltungselektronik fallen dagegen kaum ins Gewicht.
Das bedeutet: Wer seinen Verbrauch senken will, sollte zuerst bei den grossen Verbrauchern ansetzen, nicht bei der Beleuchtung.
Man könnte Energie auch in Watt-Sekunden messen. Das wäre physikalisch korrekt, aber unpraktisch: Ein Backofen, der eine Stunde läuft, verbraucht 7,2 Millionen Watt-Sekunden. Mit der Kilowattstunde wird daraus eine handlichere Zahl: 2 kWh. Die Stunde hat sich als Zeiteinheit durchgesetzt, weil Stromverbrauch im Alltag in Stunden, nicht in Sekunden gedacht wird. Die kWh ist damit keine physikalische Grundeinheit, sondern eine pragmatische Abrechnungseinheit, die sich historisch bewährt hat.
Die kWh ist nicht nur eine Einheit für das, was man verbraucht. Wer eine Solaranlage auf dem Dach hat, produziert ebenfalls Kilowattstunden. Was davon direkt im Haushalt verbraucht wird, nennt sich Eigenverbrauch. Was übrig bleibt, wird ins Netz eingespeist und von dort anderen Verbrauchern zugeleitet. Die Einspeisemenge wird ebenfalls in kWh gemessen und kann separat vergütet werden. Die kWh ist damit die gemeinsame Sprache von Verbrauchern und Produzenten im Stromnetz.
Der Stromzähler im Keller addiert kontinuierlich, wie viele Kilowattstunden durch den Anschluss fliessen, ähnlich wie ein Kilometerzähler im Auto. Am Ende der Abrechnungsperiode wird die Differenz zwischen aktuellem und letztem Zählerstand ermittelt. Diese Zahl in kWh bildet die Grundlage der Stromrechnung.
Nächste Woche: Wie entsteht Strom überhaupt, und was hat eine Turbine damit zu tun?
Dieser Artikel ist Teil unserer Serie «Energie einfach erklärt».