Watt kennt fast jeder vom Leuchtmittelkauf. Aber was steckt hinter dieser Zahl, und warum steht auf dem Backofen plötzlich «2000 W»?
Leistung ist Tempo, nicht Strecke
Beim Autofahren unterscheiden wir zwischen zwei Dingen: dem Tempo, das wir gerade fahren, und der Strecke, die wir insgesamt zurückgelegt haben. Wer schnell fährt, kommt pro Stunde weiter, verbraucht aber auch mehr Benzin pro Minute. Die Geschwindigkeit selbst sagt nichts darüber aus, wie weit man am Ende des Tages gefahren ist.
Elektrische Leistung funktioniert nach demselben Prinzip. Sie beschreibt, wie viel Energie ein Gerät pro Sekunde verbraucht, nicht wie viel insgesamt. Die Einheit dafür ist Watt, abgekürzt W. Grössere Leistungen werden in Kilowatt angegeben: 1 Kilowatt (kW) entspricht 1000 Watt.
Leistung im Alltag
Die Bandbreite elektrischer Leistungen ist beachtlich. Eine LED-Lampe kommt mit 8 bis 10 Watt aus, ein Laptop mit 45 bis 65 Watt. Wärmepumpen bewegen sich je nach Betriebszustand zwischen 1000 und 3000 Watt, und eine Elektroauto-Ladestation im Haushalt zieht 11'000 Watt.
Das bedeutet: Eine Wärmepumpe kann in einer Stunde 100- bis 300-mal mehr Energie verbrauchen als eine LED-Lampe. Genau dieser Unterschied schlägt sich am Jahresende auf der Stromrechnung nieder.
Wie berechnet sich die Leistung?
Leistung ergibt sich aus Spannung und Stromstärke und lässt sich mit einer einfachen Formel berechnen:
Leistung (W) = Spannung (V) × Stromstärke (A)
Im internationalen Einheitensystem (SI) lautet die Formel: P = U × I
Ein Gerät an der Schweizer Steckdose mit 230 Volt, das 10 Ampere zieht, hat eine Leistung von 2300 Watt, was 2,3 Kilowatt entspricht. Das ist etwa die Leistung eines kleinen Backofens.
Exkurs: Was hat das mit der Sicherung zu tun?
Haushaltssicherungen sind auf eine bestimmte Stromstärke ausgelegt, meistens 16 Ampere. Bei 230 Volt ergibt das eine maximale Leistung von rund 3680 Watt pro Stromkreis. Laufen zu viele leistungsstarke Geräte gleichzeitig auf demselben Stromkreis, überschreitet der gesamte Strom diesen Grenzwert, und die Sicherung unterbricht den Stromkreis. Sie schützt damit die Leitung vor Überhitzung. Leistung und Sicherung hängen also direkt zusammen.
Leistung allein reicht nicht
Leistung sagt, wie hungrig ein Gerät ist, aber nichts darüber, wie viel es insgesamt verbraucht. Dafür braucht es noch einen zweiten Faktor: die Zeit. Wie Leistung und Zeit zusammen die Kilowattstunde ergeben, die am Ende auf der Stromrechnung erscheint, erklären wir in der nächsten Folge.
Dieser Artikel ist Teil unserer Serie «Energie einfach erklärt».