Seit 100 Jahren ist das Werkhaus der EBL (Genossenschaft Elektra Baselland) mehr als nur ein Gebäude: Es ist ein Ort, an dem Wissen weitergegeben, Innovationen vorangetrieben und Generationen von Mitarbeitenden die Energiezukunft der Region mitgestaltet haben.
Seit 1926 prägt das Werkhaus der EBL das Areal in Liestal und ist bis heute ein wichtiger Ort für den Betrieb, die Entwicklung und das tägliche Miteinander. Über Generationen hinweg haben hier Mitarbeitende, Lernende und Fachkräfte die Energieversorgung der Region mitgestaltet. Das 100-jährige Jubiläum bietet Gelegenheit, auf ein Jahrhundert Geschichte zurückzublicken, gemeinsame Erinnerungen zu teilen und die Bedeutung des Werkhauses für die EBL zu würdigen.
Bereits ab dem 1. Mai 1900 wurden die ersten Strassenlampen in Liestal mit Strom von der Elektra Baselland versorgt. Anfänglich stammte dieser aus den Dieselgeneratoren im Elefantehuus. Mit dem stetig steigenden Strombedarf infolge der Industrialisierung und der zunehmenden Anzahl angeschlossener Gemeinden stiess diese Lösung jedoch an ihre Grenzen. Ab 1926 übernahm deshalb das neu erbaute Werkhaus als Transformierungs- und Schaltanlage (auch Unterwerk oder Unterzentrale genannt) die Stromversorgung. Hier wurde elektrische Energie umgewandelt, geschaltet und für die Weiterverteilung im Stromnetz bereitgestellt. Damit war das Gebäude von Beginn an ein wichtiger Bestandteil der elektrischen Infrastruktur.
⚡ Transformieren: Elektrische Spannung wird auf eine andere Spannungsebene umgewandelt – typischerweise von einer höheren Netzspannung auf eine niedrigere Spannung, die für Gebäude, Maschinen und andere Verbraucher geeignet ist.
🔌 Schalten: Die Anlage ermöglicht, einzelne Stromkreise bzw. Netzbereiche ein- und auszuschalten. Das war und ist wichtig, um das Stromnetz zu steuern und bei Störungen Teile davon abzutrennen.
🛡️ Schützen: Bei Kurzschlüssen oder anderen Fehlern können Schutzvorrichtungen den betroffenen Bereich automatisch abschalten und so Menschen, Anlagen und das Stromnetz schützen.
📍 Verteilen: Der Strom wird von dort aus auf verschiedene Leitungen und Verbraucher weiterverteilt.
"Das Werkhaus hat für mich einen ganz besonderen Charme und eine einzigartige Ausstrahlung. Es begleitet mich nun schon seit beinahe 40 Jahren und ist dadurch zu einem festen Bestandteil meiner EBL-Geschichte geworden."
- Daniel Jenni, Leiter Netzkunden
Im Jahr 1986 wurde Liestal von einem Hochwasserereignis betroffen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Ergolz, die durch Liestal fliesst. Der Fluss kann bei starken Niederschlägen innerhalb kurzer Zeit stark anschwellen und über die Ufer treten. Solche Ereignisse können Strassen, Gebäude, Keller und Landwirtschaftsflächen beschädigen und stellen auch eine Herausforderung für Feuerwehr und andere Einsatzkräfte dar.
Auch das Werkhaus blieb damals nicht verschont: Wasser drang ins Gebäude ein und setzte den Keller unter Wasser. Glücklicherweise hielten sich die Schäden in Grenzen, sodass das eingedrungene Wasser lediglich ausgepumpt werden musste. Um für künftige Hochwasserereignisse besser gewappnet zu sein, wurde anschliessend eine Schutzmauer errichtet.
Heute wird das Hochwasserrisiko in Liestal genauer überwacht. Für die Ergolz gibt es eine Messstation, an der Wasserstand und Abfluss laufend erfasst werden. Zudem wurden und werden Massnahmen zum Hochwasserschutz geplant und umgesetzt.
"Ich war die gute Seele im Werkhaus, immer wenn etwas defekt war, haben sich die Mitarbeiter bei mir gemeldet."
- Philippe Grieder, Einsatzplaner Netz
Im Jahr 2003 kam es zu einem grossen Umbau des Werkhauses. Bereits einige Jahre zuvor wurde das bestehende Unterwerk modernisiert. Durch den Einsatz kompakterer, gasisolierter statt luftisolierter Schaltanlagen entstand im Werkhaus zusätzlicher Raum. Da sich die verschiedenen Werkstätten bis dahin über das gesamte Areal verteilten, wurden sie im Werkhaus zusammengeführt, darunter die Schlosserei und die Malerei. Gleichzeitig entstand der Bedarf nach neuen Arbeitsplätzen vor allem für Baustellenleiter und Monteure aus den Bereichen Kabel-, Stationen- und Freileitungsbau. Ziel war es, das vorhandene Know-how an einem Standort zu bündeln und ein zentrales Kompetenzzentrum zu schaffen. Dafür wurde eine neue Geschossdecke eingezogen, wodurch ein weiteres Stockwerk für die Büroräumlichekeiten entstand. Es wurden ausserdem Aufenthaltsräume und Garderoben geschaffen.
"Früher habe ich das Werkhaus ehrlich gesagt kaum wahrgenommen. Doch mit dem Umbau hat sich meine Beziehung zu diesem Gebäude grundlegend verändert. Heute ist das Werkhaus für mich zu einem echten «EBL-Zuhause» geworden, einem Ort, an dem ich mich sehr wohlfühle und mit dem ich mich stark verbunden fühle. Ich erzähle deshalb auch gerne jedem, dass wir meiner Meinung nach das schönste Büro der EBL haben."
- Daniel Jenni, Leiter Netzkunden
Zu diesem besonderen Jubiläum organisieren die Lernenden Netzelektriker ein internes Werkhausfest für alle Mitarbeitenden der EBL. Das Fest findet im und vor dem Werkhaus statt und bietet Verpflegung, eine historische Ausstellung mit alten Werkzeugen und Bildern, verschiedene Minispiele sowie einige Überraschungen. So zeigt das Werkhaus auch heute noch seine Bedeutung als Ort der Begegnung, an dem Menschen zusammenkommen, zusammenarbeiten und besondere Momente gemeinsam feiern.
Was die Zukunft bringt, lässt sich nicht bis ins Detail vorhersagen. Sicher ist jedoch: Das Werkhaus wird auch in den kommenden Jahren ein Ort bleiben, an dem Menschen zusammenkommen, voneinander lernen und gemeinsam Zukunft gestalten.
"Ich wünsche dem Werkhaus für die nächsten 100 Jahre, dass sich sein Charme nicht verändert und weiterhin von Mitarbeitern belebt wird."- Philippe Grieder, Einsatzplaner Netz