Die Geschichte der Elektrifizierung, die Ende des 19. Jahrhunderts begann, ist von grosser Bedeutung für die Entwicklung des Kantons.

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Die EBL-Anlage in Liestal in der Zwischenkriegszeit.

„Es brennt!“ riefen sich die Schulkinder in Wenslingen an einem Vormittag im Jahr 1905 zu; sie hatten gerade Pause und strömten staunend auf die Gassen und in die Häuser, wie wir der Ortschronik entnehmen können. „Chömet, bis Ochsis brennt’s in der Stube und im Stall. Und s’Hässigs Stuel lauft vor em sälber!“. Die Freude war überall zu spüren, als im einfachen Baselbieter Bauern- und Posamenterdorf Wenslingen der Stromanschluss endlich perfekt war. Doch bis es so weit kam, musste viel Pionierarbeit geleistet werden…

Der Beginn einer neuen Zeit
Die erste Begegnung der Baselbieter Bevölkerung mit einer praktischen Anwendung von Elektrizität fand im Jahre 1882 statt, als die Festhütte des Kantonalgesangsfestes in Gelterkinden mit Bogenlicht erleuchtet wurde. Doch wurde dies eher als Spielerei betrachtet, da die ländliche Bevölkerung damals noch sehr kritisch gegenüber der Elektrizität eingestellt war.

Auf wesentlich grössere Beachtung stiess hingegen der öffentliche Vortrag, den der Fabrikdirektor Brüderlin 2891 im Liestaler Gewerbeverein hielt. Er berichtete den zahlreich erschienenen Zuhörern von einer „wohlgelungenen elektrischen Ausstellung“ in Frankfurt am Main und von der Stromübertragung auf der 175 km langen Strecke von Lauffen am Neckar bis aufs Messegelände in Frankfurt, wo 1’000 Glühlampen als Beweis für den erfolgreichen Energietransport leuchteten. In seinem visionären Vortrag betonte Brüderlin auch die Bedeutung der Stromgewinnung und -übertragung, im Besonderen, was die Wasserkräfte in der Schweiz betrifft.

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Licht und Strom für die Stadt und Gewerbe: Bogenlichtlampen (l.) und Oberes Stadttor in Liestal.

Bereits ein Jahr darauf gingen dann auch in Liestal die Lichter an. Es war am Heiligen Abend 1892, als die elektrischen Lampen erstmals die Strassen erstrahlen liessen. Der Strom kam von der Turbine der Liestaler Firma Rosenmund & Brodtbeck. Diese Strassenbeleuchtung, die auch als „Stolz von Liestal“ bezeichnet wurde, konnte danach allabendlich bewundert werden – falls es nicht gerade Vollmond war oder eine der häufigen Störungen durch zu niedrigen Wasserstand oder einen eingefrorenen Kanal den Betrieb verunmöglichte.

Genossenschaften als ideale Lösung
Nachdem die Menschen die Vorurteile des elektrischen Stroms erkannt hatten, sollte die Versorgung für die Bedürfnisse der Zukunft sichergestellt werden. Dafür wurde den Kraftübertragungswerken Rheinfelden (KWR) eine Konzession zum Transport der „elektrischen Kraft mittels oberirdischer Kupferdrahtleitung (…) in die Schweiz, nach Basel, Liestal und Arlesheim“ gewährt. Ab der zweiten Jahreshälfte 1898 begann dann die Produktion der inzwischen heissbegehrten neuen Energie in Rheinfelden. Zusammen mit der AG Elektrizitätswerke Wynau und der privatwirtschaftlichen Alioth AG in Arlesheim waren die KWR um die Jahrhundertwende die wichtigsten Stromlieferanten für das Baselbiet.

Laut Beschluss der Baselbieter Regierung sollten die Gemeinden die Elektrizitätsversorgung auf eigene Rechnung übernehmen; diese wünschten sich dafür die Schaffung besonderer Organisationen, die den Strom zu Selbstkosten an die Bezüger weiterverkaufen würden. So wurde am 19. April 1897 die „Elektra Birseck“ und am 27. November 1898 die „Elektra Baselland“ (EBL) gegründet.

„Licht und Kraft“ in jedem Haus
Noch im Gründungsjahr erhielt die EBL vom Baselbieter Landrat die Bewilligung für die Versorgung des Bezirks Liestal und angrenzender Gemeinden mit elektrischer Kraft. Unverzüglich setzte der Verwaltungsrat alles daran, das Versorgungsgebiet möglichst rasch mit Strom zu beliefern. Gemäss den Statuten sollte die EBL „Licht und Kraft“ an die Gründungsgenossenschafter in Augst, Frenkendorf, Füllinsdorf, Giebenach, Lausen, Liestal, Niederschönthal, Pratteln und Schweizerhalle abgeben. Der Energiebezug setzte die Mitgliedschaft der Eigentümer der belieferten Liegenschaften voraus, und anfangs waren Eintrittsgelder für jeden Motor respektive Lampe zu bezahlen.

Am 22. September 1899 konnten die ersten Kunden in Liestal mit elektrischem Strom beliefert werden, und nach Ablauf des ersten vollen Betriebsjahres per Ende 1900 zählte die EBL 151 Genossenschafter mit 2’203 Lampen und einem Verbrauch von 594 PS an Kraft. Bei der weiteren Elektrifizierung des Baselbiets spielten Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem die Seidenbandweber, die sogenannten Posamenter, und die Dorfgenossenschaften eine wichtige Rolle. Sie konnten mit dem Strombezug nicht nur ihren Lebensstandard, sondern auch ihre Wettbewerbsfähigkeit wesentlich steigern. Entsprechend den Gründungsstatuten der EBL wurden bis heute insgesamt 55 Gemeinden ans Netz der EBL angeschlossen und mit „Licht und Kraft“ versorgt.