Das Ergolztal ist eine wirtschaftlich bedeutende Region im Kernbereich des EBL-Versorgungsgebiets, die über ein enormes Entwicklungspotenzial verfügt. Seit die EBL 1993 hier im «Mittelland des Baselbiets» ihren ersten Wärmeverbund erstellte, sind zahlreiche neue Anlagen hinzugekommen, welche heute die Gemeinden mit ökologisch produzierter Wärme versorgen.

Steigende Anforderungen an die Energieversorgung

Der Bedarf nach Raum- und Prozesswärme in der Region steigt ständig, und auch die technologischen Möglichkeiten zur nachhaltigen Wärme- und Stromerzeugung haben sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt. Während die EBL-Wärmeverbunde im Ergolztal 2010 noch einen Absatz von insgesamt 60 Gigawattstunden (GWh) aufwiesen, beträgt das geschätzte Erweiterungspotenzial für die kommenden Jahre zusätzliche 150 GWh, wovon rund 30 GWh für die Strom-versorgung genutzt werden können. Deshalb hat sich die Geschäftsleitung der EBL entschlossen, die Region durch eine ganze Reihe von Investitionen noch besser zu vernetzen und somit die Effizienz und die Leistung weiter zu erhöhen. Das Projekt «3ET» im Rahmen der EBL-Vision 2020 sieht neue Investitionen von 120 Millionen Franken in den nächsten fünf Jahren vor, wodurch weitere 90 Millionen Liter Öl und 250 000 Tonnen CO2 eingespart werden. Als Pionierin und führende Anbieterin bei den Wärmeverbundanlagen in der Schweiz verfügt die EBL über die nötige Kompetenz und die Ressourcen zur Umsetzung ihres Vorhabens.

Grosswärmeverbund Pratteln: Ein Meilenstein
Beginnen wir unsere Reise durch das Ergolztal in der Energiestadt Pratteln. Die Gemeinde erlebt gegenwärtig  eine ausgeprägte Wachstumsphase, Hochhausprojekte und die Erschliessung neuer Industriegebiete sind deutliche Zeichen dafür. Damit auch die künftigen Bedürfnisse von Einwohnern und Industrie zuverlässig und ökologisch vorbildlich abgedeckt werden können, hat die Gemeinde Pratteln unter Mithilfe der EBL einen Energierichtplan erstellt, welcher aufzeigt, dass ein sehr weiträumiges Gebiet mit einem Grosswärmeverbund erschlossen werden kann. Damit dieses Potential auch genutzt wird, legt die EBL die fünf bestehenden Wärme-verbundanlagen zu einem einzigen, neuen und hochmodernen Biomasse-Holzheizkraftwerk zusammen. Durch diese Massnahme können die Heizzentralen der bisherigen Wärmeverbunde geschlossen und durch eine zentrale Anlage ersetzt werden. Die Konsequenzen dieser Massnahme sind eindrücklich: Jährlich werden 15 000 Tonnen CO2 eingespart, die Gesamtleistung der Anlage verdoppelt sich auf 66 000 Megawattstunden (MWh) Energie – wovon etwa 10 Prozent als Strom und der Rest als Wärme anfallen –, und durch die Erweiterung des Leitungsnetzes werden auch zahlreiche Anschluss-möglichkeiten für neue Kunden geschaffen. Der Baubeginn in Pratteln ist bereits in diesem Jahr erfolgt. Das gesamte Investitions-volumen für die EBL beträgt 40 Millionen Franken; damit stellt dieses Projekt das grösste jemals realisierte finanzielle Engagement des Energieversorgers in der Schweiz dar. Nach Aufnahme der Wärme- und Stromversorgung durch den neuen Grosswärmeverbund in Pratteln im Winter 2015/16 ist die Versorgung von Privaten und Unternehmen mit nachhaltiger erneuerbarer Energie auf viele Jahrzehnte hinaus gesichert.

Intelligente Vernetzung in der Region
Über Frenkendorf, wo ebenfalls ein grosses Wärmepotenzial besteht, geht unsere Reise weiter zum Hauptort und auch zum Hauptsitz der EBL nach Liestal. Die EBL ist hier selbst Kunde eines grossen Wärmeverbunds, der im Besitz des Kantons Baselland ist und auch von diesem betrieben wird. Ein Zusammenschluss der vier EBL-Wärmeverbunde in Liestal mit den Anlagen des Kantons zu einem hochmodernen und hochleistungsfähigen Grosswärmverbund würde auch hier sehr viele positive Wirkungen erzielen; ein Schritt, für den die EBL bereits heute bestens vorbereitet wäre. Nur wenige Kilometer von Liestal, in Lausen, ist die EBL Hauptaktionär von zwei weiteren Wärmeverbunden. Hier wurden bereits vor drei Jahren rund 1,5 Millionen Franken investiert, um die Heizkessel zu erneuern und die Leistung wesentlich zu erhöhen. Die Energieschiene führt uns weiter nach Sissach, wo die EBL ebenfalls an mehreren Anlagen zur Erzeugung von Wärme und Strom beteiligt ist. Auch in dieser Gemeinde engagiert sich die EBL stark für den intelligenten, ökologisch fundierten Ausbau der Kapazitäten. So wurde beispielsweise in neue Wärmepumpen investiert, die aufgrund modernster Technologie mit dem gleichen Strombedarf wie vorher 50 Prozent mehr Wärme erzeugen. Im Sissacher Wärmezentrum Ost begannen im Sommer 2014 die Bauarbeiten zur Verdoppelung des Energieabsatzes, der durch gezielte Investitionen von 10,5 Millionen Franken in ein erweitertes Wärmenetz und eine neue Holzschnitzel-Heizzentrale erreicht wird. Dass mit dieser Massnahme gleichzeitig auch noch der Anteil der erneuerbaren Energie von 55 auf über 90 Prozent erhöht wurde, spricht für die konsequente Umsetzung der EBL-Strategie.

Versorgungssicherheit und Impulse für die Wirtschaft
Unsere letzte Station führt uns über Gelterkinden nach Ormalingen, wo sich der geografische Schlusspunkt der Erneuerbaren Energieschiene Ergolztal befindet. In diesem wunderschön gelegenen Baselbieter Dorf betreib die EBL ebenfalls einen Wärmeverbund. Auch hier steigt die Nachfrage nach ökologisch produzierter, einheimischer Energie stetig an. Die EBL nimmt sich dieses Bedürfnisses an; vor drei Jahren wurde in neue Holzschnitzel-Heizkessel investiert, und der Bau eines weiteren neuen Kessels sowie der Ausbau der Versorgungsleitungen bis nach Gelterkinden sind bereits geplant. Die Gesamtsumme der Investitionen in diese Anlage beläuft sich auf 6,5 Millionen Franken. Die Erneuerbare Energieschiene Ergolztal 3ET ist ein eindrückliches Beispiel für das regionale Engagement der EBL in ihrem angestammten Versorgungsgebiet. Das weitsichtig geplante und vorbildlich umgesetzte Massnahmen-paket umfasst Gesamtinvestitionen von 340 Millionen Franken, wobei jeder investierte Franken eine Einsparung von 1,7 Kilogramm CO2 mit sich bringt. Zusammen mit der Beteiligung der EBL in anderen Schweizer und internationalen Projekten entsteht so ein tragfähiges Netzwerk, das die ökologische Energieversorgung über viele Jahre hinweg sichert und auch der regionalen Wirtschaft deutliche Impulse verleiht.